Das Wichtigste in Kürze

  • Richtungshören ermöglicht es, die Position von Schallquellen zu erkennen und sich in der akustischen Umgebung besser zu orientieren.
  • Die Grundlage dafür ist das Zusammenspiel beider Ohren, da das Gehirn kleinste Unterschiede bei Laufzeit, Lautstärke und Klang auswertet.
  • Ein gutes Richtungshören erleichtert das Sprachverstehen, besonders in lauten Umgebungen, und trägt zu mehr Sicherheit im Alltag bei.
  • Ist das räumliche Hören eingeschränkt, können moderne Hörsysteme mit verschiedenen technischen Funktionen dabei unterstützen, Sprache und Umgebungsgeräusche besser einzuordnen.

Was bedeutet Richtungshören?

Richtungshören

Unter Richtungshören versteht man die Fähigkeit, die Richtung und Position einer Schallquelle zu erkennen. Ein gesundes Hörsystem kann dabei nicht nur zwischen links und rechts unterscheiden. Unter günstigen Bedingungen lässt sich auch wahrnehmen, ob ein Geräusch von vorne, hinten, oben, unten oder aus einer seitlichen Richtung kommt.

Zum räumlichen Hören gehört außerdem die Einschätzung von Entfernungen, Bewegungen und der akustischen Umgebung. So kann das Gehirn häufig erkennen, ob sich eine Schallquelle nähert oder entfernt. Auch die Eigenschaften eines Raumes werden über das Gehör wahrgenommen. Nachhall, Reflexionen und Klangveränderungen liefern wichtige Hinweise darauf, ob wir uns beispielsweise in einem kleinen Raum, einer Kirche, einem Treppenhaus oder im Freien befinden.

Das Richtungshören hilft dabei, unsere akustische Umgebung zu ordnen. Im Alltag treffen oft viele verschiedene Geräusche gleichzeitig auf unser Gehör, etwa Stimmen, Straßenverkehr, Schritte oder Wind. Dennoch ist das Gehirn in der Lage, einzelne Schallquellen zu lokalisieren und bestimmten Ereignissen zuzuordnen. Dieser Vorgang wird als akustische Szenenanalyse bezeichnet und ist eng mit dem räumlichen Hören verbunden.

Richtungshören bildet außerdem eine wichtige Grundlage für das selektive Hören. Wenn das Gehirn erkennt, aus welcher Richtung eine Stimme kommt, kann es die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Schallquelle richten. Dadurch fällt es leichter, Gespräche von störenden Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden.

Warum zwei Ohren für das räumliche Hören entscheidend sind

Damit Richtungshören zuverlässig funktioniert, müssen beide Ohren zusammenarbeiten. Fachleute sprechen dabei vom binauralen Hören. Das bedeutet, dass beide Ohren gemeinsam Schall aufnehmen und dem Gehirn wichtige Informationen für die räumliche Orientierung liefern.

Befindet sich eine Schallquelle direkt vor einer Person, erreicht der Schall beide Ohren nahezu gleichzeitig und mit ähnlicher Lautstärke. Kommt ein Geräusch dagegen von der Seite, trifft es das näher gelegene Ohr etwas früher und meist auch etwas lauter. Obwohl diese Unterschiede sehr klein sind, kann das Gehirn daraus die Richtung einer Schallquelle bestimmen.

Dafür vergleicht das zentrale Hörsystem die Signale beider Ohren fortlaufend miteinander. Es berücksichtigt unter anderem, welches Ohr den Schall zuerst empfängt, an welchem Ohr das Signal lauter ist, wie sich das Frequenzspektrum unterscheidet und welche Veränderungen durch Kopf, Körper und Ohrmuscheln entstehen. Auch das Zusammenspiel von Direktschall und Reflexionen trägt zur räumlichen Wahrnehmung bei.

Aus diesen Informationen entsteht ein gemeinsamer räumlicher Höreindruck. Das Gehirn verarbeitet die Signale beider Ohren nicht getrennt, sondern fügt sie zu einer einheitlichen Hörwelt zusammen.

Bereits kleine Unterschiede zwischen beiden Ohren können das Richtungshören beeinträchtigen. Bei einer einseitigen Schwerhörigkeit fehlen dem Gehirn wichtige Vergleichsinformationen. Auch bei einem beidseitigen Hörverlust kann das räumliche Hören eingeschränkt sein, wenn die Hörverluste unterschiedlich stark ausgeprägt sind oder nur ein Ohr mit einem Hörsystem versorgt wird.

Richtungshören und Sprachverstehen

Schwerhörigkeit

Richtungshören ist nicht nur für die räumliche Orientierung wichtig. Es unterstützt auch das Sprachverstehen, besonders in Umgebungen mit vielen Hintergrundgeräuschen.

In einer ruhigen Unterhaltung mit nur einer Gesprächspartnerin oder einem Gesprächspartner spielt die räumliche Wahrnehmung meist eine geringere Rolle. Anders sieht es in einem Restaurant, bei einer Feier oder in einem Besprechungsraum aus. Dort treffen Stimmen und weitere Geräusche gleichzeitig auf das Gehör. Das Gehirn muss erkennen, welcher Schallquelle die Aufmerksamkeit gelten soll.

Befindet sich die gewünschte Stimme in einer anderen Richtung als die Störgeräusche, kann das binaurale Hörsystem diesen räumlichen Unterschied nutzen. Durch die gemeinsame Verarbeitung der Signale beider Ohren lassen sich Sprache und Hintergrundgeräusche besser voneinander trennen. Dieser Vorteil wird als räumlicher Hörgewinn bezeichnet.

Zusätzlich spielt der sogenannte Kopfschatten eine wichtige Rolle. Kommt die Sprache von einer Seite und der Lärm von der anderen, erreicht die Sprache ein Ohr häufig unter günstigeren Bedingungen. Das Gehirn kann diese Informationen bevorzugt nutzen, wodurch das Sprachverstehen erleichtert wird.

Richtungshören unterstützt außerdem die gezielte Aufmerksamkeitssteuerung. Wird eine Stimme räumlich eingeordnet, kann sich die hörende Person auf diese Schallquelle ausrichten. Häufig wird dabei der Kopf in Richtung der sprechenden Person gedreht. Zusammen mit dem Mundbild kann dies das Sprachverstehen zusätzlich verbessern.

Ist das räumliche Hören eingeschränkt, gehen diese Vorteile teilweise verloren. Viele Betroffene nehmen eine Geräuschkulisse dann eher als unübersichtlichen Gesamtklang wahr. Einzelne Stimmen lassen sich schwerer voneinander unterscheiden und Gespräche erfordern mehr Konzentration. Dadurch kann das Hören im Alltag schneller ermüdend werden.

Typische Anzeichen für eingeschränktes Richtungshören

Einschränkungen beim Richtungshören machen sich häufig zuerst im Alltag bemerkbar. Viele Betroffene beschreiben dabei keine Schwierigkeiten mit dem Richtungshören selbst, sondern berichten von Situationen, in denen die räumliche Orientierung oder das Sprachverstehen erschwert ist.

Typische Anzeichen sind:

  • Gesprächspartner müssen zunächst gesucht werden.
  • Geräusche werden häufig der falschen Richtung zugeordnet.
  • Im Straßenverkehr besteht Unsicherheit, obwohl ein Signal gehört wurde.
  • In Gesellschaft wird bevorzugt immer derselbe Platz gewählt.
  • Gesprächspartner sollen möglichst auf einer bestimmten Seite sitzen.
  • In Gruppen werden einzelne Gesprächsbeiträge verpasst.
  • Geräusche oder Warnsignale von hinten werden erst spät wahrgenommen.
  • Schallquellen vor und hinter der Person werden häufiger verwechselt.
  • Laute Umgebungen wirken besonders unübersichtlich oder anstrengend.
  • Ein Hörsystem wird deutlich dominanter wahrgenommen als das andere.

Solche Veränderungen sollten ernst genommen werden. Eine Überprüfung des Hörvermögens kann zeigen, ob eine einseitige, asymmetrische oder beidseitige Hörminderung vorliegt. Auch bei bereits angepassten Hörsystemen ist eine Kontrolle sinnvoll, da sich das Hörvermögen, der Sitz der Otoplastik, die Schallübertragung oder die Geräteeinstellungen im Laufe der Zeit verändern können.

Wie moderne Hörsysteme räumliches Hören unterstützen

Rückkopplungen beim Hörgerät

Moderne Hörsysteme verfügen über verschiedene Funktionen, die das Hören in anspruchsvollen Hörsituationen erleichtern können. Dazu gehören Richtmikrofone, binaurale Signalverarbeitung, automatische Hörprogramme sowie eine an die Hörsituation angepasste Verstärkung. Ziel ist es, Sprache besser verständlich zu machen und gleichzeitig die räumliche Wahrnehmung möglichst natürlich zu erhalten.

Richtmikrofonsysteme

Richtmikrofone verstärken Schall nicht aus allen Richtungen gleich. Häufig wird der Bereich vor der hörenden Person stärker berücksichtigt, während seitliche oder rückwärtige Geräusche abgeschwächt werden.

Dadurch kann sich das Sprachverstehen verbessern, wenn sich die sprechende Person vor Ihnen befindet und Störgeräusche aus anderen Richtungen kommen. Gleichzeitig ist eine ausgewogene Einstellung wichtig. Neben der Sprache sollten auch wichtige Umgebungsgeräusche wahrnehmbar bleiben, insbesondere im Straßenverkehr. Deshalb passen moderne Hörsysteme ihre Mikrofoncharakteristik häufig automatisch an die jeweilige Hörsituation an.

Binaurale Signalverarbeitung

Viele aktuelle Hörsysteme tauschen Informationen drahtlos zwischen dem linken und rechten Gerät aus. So können Lautstärke, Richtwirkung und Störgeräuschverarbeitung aufeinander abgestimmt werden.

Ziel ist ein zusammenhängender Höreindruck, der die räumliche Wahrnehmung unterstützt. Gleichzeitig achten moderne Systeme darauf, die natürlichen Unterschiede zwischen beiden Ohren möglichst zu erhalten. Diese räumlichen Informationen sind wichtig, damit das Gehirn die Richtung von Schallquellen weiterhin möglichst zuverlässig bestimmen kann.

Automatische Situationsanalyse

Moderne Hörsysteme analysieren die akustische Umgebung fortlaufend. Sie erkennen beispielsweise, ob Sie sich in einer ruhigen Gesprächssituation befinden oder ob Sprache, Musik, Wind oder allgemeine Hintergrundgeräusche vorherrschen.

Auf dieser Grundlage passen die Hörsysteme verschiedene Einstellungen automatisch an. Dazu gehören unter anderem die Verstärkung, die Richtwirkung und die Störgeräuschverarbeitung. Diese Anpassungen erfolgen in der Regel unbemerkt und sollen möglichst natürlich wirken. Für ein gutes Ergebnis bleibt eine sorgfältige Feinanpassung durch den Hörakustiker dennoch entscheidend.

Bauform und Mikrofonposition

Auch die Bauform eines Hörsystems beeinflusst das räumliche Hören. Bei Hinter-dem-Ohr-Systemen sitzen die Mikrofone oberhalb oder hinter der Ohrmuschel. Dadurch können sich natürliche Richtungshinweise der Ohrmuschel teilweise verändern.

Bei bestimmten Im-Ohr-Hörsystemen befindet sich das Mikrofon näher am Eingang des Gehörgangs. Dadurch können einige natürliche Richtungshinweise besser erhalten bleiben. Welche Bauform am besten geeignet ist, hängt jedoch immer von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem der Hörverlust, der individuelle Verstärkungsbedarf, die Anatomie des Ohres sowie die gewünschte Bedienbarkeit.

Einige moderne Hörsysteme nutzen zusätzlich technische Verfahren, um die natürliche Wirkung der Ohrmuschel teilweise nachzubilden.

Dadurch kann unter anderem die Unterscheidung zwischen Schallquellen vor und hinter der hörenden Person unterstützt werden.

FAQ

Das Gehirn vergleicht die Schallsignale beider Ohren fortlaufend miteinander. Es erkennt, welches Ohr ein Geräusch zuerst und welches es etwas lauter wahrnimmt. Aus diesen sehr kleinen Laufzeit und Lautstärkeunterschieden kann die ungefähre Position einer Schallquelle bestimmt werden.

Betroffene hören ein Geräusch häufig, können aber nicht sicher erkennen, aus welcher Richtung es kommt. Typische Anzeichen sind Unsicherheit im Straßenverkehr, häufiges Suchen nach der sprechenden Person, Vorne hinten Verwechslungen oder Schwierigkeiten, Gesprächen in Gruppen zu folgen.

Im Straßenverkehr hilft Richtungshören dabei, Fahrzeuge, Fahrräder, Warnrufe und andere Signale möglichst schnell einzuordnen. Wer die Richtung eines Geräusches nicht sicher erkennt, benötigt häufig mehr Zeit, um angemessen zu reagieren. Die Umgebung sollte deshalb zusätzlich immer aufmerksam beobachtet werden.

Die Ohrmuscheln verändern den eintreffenden Schall abhängig von seiner Richtung. Dabei werden bestimmte Frequenzen verstärkt oder abgeschwächt. Diese Klangveränderungen helfen dem Gehirn vor allem dabei, Geräusche von vorne und hinten sowie von oben und unten besser zu unterscheiden.

Geräusche von schräg vorne und schräg hinten können an beiden Ohren sehr ähnliche Laufzeit und Lautstärkeunterschiede verursachen. Deshalb benötigt das Gehirn zusätzliche Klanginformationen der Ohrmuscheln. Sind diese eingeschränkt oder ungewohnt, kann es zu Vorne hinten Verwechslungen kommen.

Nicht immer. Das Gehirn muss sich häufig zunächst an die neuen und deutlicheren Höreindrücke gewöhnen. Besonders nach einer längeren unversorgten Schwerhörigkeit kann die Eingewöhnung mehrere Wochen oder länger dauern. Regelmäßiges Tragen der Hörsysteme unterstützt diesen Lernprozess.

Ja, Richtungshören lässt sich in gewissem Umfang trainieren. Bewusste Hörübungen, bei denen Geräusche im Raum lokalisiert und anschließend überprüft werden, können dabei helfen. Auch das regelmäßige Tragen von Hörsystemen unterstützt das Gehirn dabei, räumliche Informationen besser zu verarbeiten.

Interesse geweckt?

Mitarbeiterin

Zainab Ismail
(Filialleitung)

Vereinbaren Sie heute noch einen unverbindlichen Beratungstermin bei Hörsysteme Mengede.
Ihr Spezialist für Hörgeräte in Dortmund.